VMware neu bewerten: Drei Optionen zeigen, wie Unternehmen Kosten, Betrieb und Abhängigkeiten steuern.
Der Umgang mit VMware ist für viele Unternehmen weiterhin geschäftskritisch. Anwendungen, Betriebsprozesse und Know-how sind über Jahre auf die Plattform ausgerichtet worden. Gleichzeitig haben die Veränderungen nach der Übernahme durch Broadcom eine neue Realität geschaffen.
Unbefristete Lizenzen sind Geschichte. Abgerechnet wird im Abonnement – pro Core, mit einer Mindestanzahl von 16 Cores pro CPU. Für viele IT-Organisationen verändert das die Kostenstruktur spürbar nach oben. Was früher planbar war, wird heute zum Rechenexempel.
Die entscheidende Frage lautet: „Welche Strategie ist für unser bestehendes VMware-Setup jetzt wirtschaftlich und zukunftsfähig?“
In der Praxis zeigen sich drei realistische Optionen, die sich klar voneinander unterscheiden: technisch, organisatorisch und finanziell.
Option 1: VMware bewusst weiterbetreiben, aber wirtschaftlich neu ausrichten
Für viele Unternehmen bleibt VMware gesetzt. Die Plattform ist stabil, etabliert und tief in die IT integriert. Ein vollständiger Wechsel würde hohe Risiken mit sich bringen oder ist kurzfristig schlicht nicht realistisch.
Gerade unter dem neuen Lizenzmodell lohnt sich jedoch ein kritischer Blick auf die eigene Umgebung. Denn die Core-basierte Abrechnung macht ineffiziente Strukturen unmittelbar sichtbar.
Typische Schwachstellen:
- Falsch dimensionierte Hosts
- Historisch gewachsene Core-Zahlen
- Virtuelle Maschinen mit dauerhaft geringer Auslastung
- Fehlende Konsolidierung über mehrere Cluster hinweg
Ein Rechenbeispiel aus der Praxis:
Ein Host mit zwei CPUs und je 12 Cores verfügt physisch über 24 Cores. Durch das neue Lizenzmodell müssen jedoch mindestens 16 Cores pro CPU lizenziert werden – insgesamt also 32 Cores, unabhängig von der tatsächlichen Auslastung. Bleibt die Umgebung unverändert, entstehen zusätzliche Lizenzkosten allein durch diese Mindestvorgabe.
Ausgehend vom offiziellen Listenpreis für VCF Cores ergibt sich folgende Differenz:
24 Cores x 350 € = 8.400 €
32 Cores x 350 € = 11.200 €
Mehrkosten pro Host: 2.800 €
Diese Mehrkosten entstehen nicht durch zusätzlichen Nutzen, sondern ausschließlich durch die Lizenzmechanik. Werden Workloads konsolidiert oder Hosts gezielt neu dimensioniert – etwa durch weniger, dafür besser ausgelastete Systeme – lässt sich diese Mehrlizenzierung häufig vermeiden. Bei mehreren Hosts oder Clustern summiert sich dieser Effekt schnell auf fünfstellige Beträge pro Jahr.
Diese Option ist sinnvoll für Unternehmen, die:
- VMware weiterhin als zentrale Plattform nutzen wollen
- kurzfristig keine Architekturänderung planen
- Kosten über Optimierung und Transparenz reduzieren möchten
Der Schlüssel liegt hier nicht in neuen Technologien, sondern in Governance, Monitoring und konsequenter Ressourcenplanung.
Option 2: VMware modernisieren – vom Eigenbetrieb zum Cloud-Betriebsmodell
In vielen Fällen entstehen die größten Kosten nicht durch VMware selbst, sondern durch den Betrieb im eigenen Rechenzentrum. Hardwarezyklen, Energiepreise, Personalbindung und Lizenzmechaniken greifen zunehmend ungünstig ineinander.
Eine Alternative ist der Wechsel von VMware im Eigenbetrieb in eine VMware-basierte Cloud, ohne Plattformbruch und ohne Refactoring der Anwendungen.
Der Unterschied liegt im Betriebsmodell:
- Keine eigenen Hosts, die überdimensioniert lizenziert werden müssen
- Skalierung nach Bedarf statt Vorab-Investitionen
- Standardisierte Hochverfügbarkeit, Backup und Security
- Reduzierter operativer Aufwand für Betrieb und Weiterentwicklung der Plattform
- Klare, monatlich kalkulierbare Kosten
Mit der pluscloud VMware behalten Unternehmen ihre gewohnte VMware-Umgebung, verlagern Betrieb und Lizenzrisiken jedoch zu einem spezialisierten Cloud Service Provider. Die Plattform basiert auf VMware Cloud Foundation (VCF), der von Broadcom klar fokussierten Technologie für Private- und Public-Cloud-Szenarien.
Ein weiterer Aspekt ist der Partnerstatus: plusserver ist VMware Pinnacle Partner. Dieser Status steht für engen Herstellerzugang, langfristige Planungssicherheit und tiefgehende VMware-Expertise. Das sind Faktoren, die in der aktuellen Marktsituation an Bedeutung gewinnen.
Diese Option eignet sich besonders für Unternehmen, die:
- VMware weiter nutzen möchten
- ihr Rechenzentrum entlasten oder ablösen wollen
- Lizenz- und Betriebskosten planbarer gestalten müssen
- hohe Anforderungen an Datenschutz und Compliance haben
Option 3: VMware strategisch entkoppeln – ohne radikalen Schnitt
Nicht jedes Unternehmen möchte langfristig vollständig von einem Hersteller abhängig sein. Gerade vor dem Hintergrund steigender Lizenzkosten gewinnt die Frage nach technologischer Souveränität an Gewicht.
Wichtig dabei: Entkopplung bedeutet nicht Ablösung über Nacht.
In vielen Organisationen entstehen hybride Strategien:
- Bestehende, stabile Workloads verbleiben auf VMware
- Neue Anwendungen werden Cloud-nativ entwickelt
- Container-Plattformen übernehmen dynamische oder skalierende Services
Virtuelle Maschinen sind dabei nur eine von mehreren Betriebsformen. Für moderne Anwendungen kommen zunehmend Container und Orchestrierungsplattformen wie Kubernetes zum Einsatz. Sie ersetzen VMware nicht pauschal, eröffnen aber zusätzliche Optionen.
Entscheidend ist die Reihenfolge:
- Kritische Bestandsanwendungen stabil betreiben
- Neue Workloads gezielt anders aufsetzen
- Abhängigkeiten schrittweise reduzieren
plusserver unterstützt diesen Ansatz mit einer dualen Plattformstrategie: VMware dort, wo es sinnvoll ist, offene Plattformen dort, wo Flexibilität und Unabhängigkeit gefragt sind.
Wer Kubernetes als langfristige Alternative tiefergehend bewerten möchte, findet dazu eine ausführliche Einordnung in diesem Artikel.
Diese Option ist geeignet für Unternehmen, die:
- ihre Architektur langfristig öffnen wollen
- neue Anwendungen modern entwickeln
- Abhängigkeiten bewusst steuern möchten
Checkliste: Welche VMware-Strategie passt zu Ihrem Unternehmen?
Die richtige Entscheidung ergibt sich nicht aus Marktmeinungen, sondern aus der eigenen Ausgangslage. Typische Leitfragen sind:
- Wie hoch ist der Anteil geschäftskritischer VMware-Workloads?
- Wie stark belasten Lizenz- und Betriebskosten das IT-Budget?
- Welche Compliance-Vorgaben gelten für Daten und Betrieb?
- Wie viel Veränderung verträgt die Organisation aktuell?
In vielen Fällen zeigt sich: Die Kombination aus Option 1 und Option 2 ist der pragmatischste Weg. VMware bleibt erhalten, wird aber effizienter und risikoärmer betrieben – häufig in der Cloud.
FAQ: VMware-Strategie nach Broadcom
Was bedeutet das neue VMware-Lizenzmodell für Unternehmen?
VMware wird im Abonnement pro Core abgerechnet. Pro CPU müssen mindestens 16 Cores lizenziert werden. Das kann insbesondere bei nicht korrekt dimensionierter Hardware zu höheren Kosten führen.
Sollten Unternehmen VMware jetzt ablösen?
Nicht zwangsläufig. Für viele Organisationen ist es sinnvoller, VMware weiter zu nutzen, aber Betrieb und Kostenstruktur neu auszurichten – etwa durch Optimierung oder einen Wechsel in die Cloud.
Wann lohnt sich eine VMware-basierte Cloud?
Vor allem dann, wenn hohe Betriebs- und Lizenzkosten im eigenen Rechenzentrum entstehen oder Skalierbarkeit und Planungssicherheit fehlen.
Ist Kubernetes ein Ersatz für VMware?
Nein. Kubernetes ersetzt keinen Hypervisor, sondern ist ein anderes Betriebsmodell. In vielen Architekturen ergänzen sich beide Ansätze.
Welche Rolle spielt der Pinnacle-Partnerstatus?
Der Pinnacle-Status signalisiert enge Zusammenarbeit mit Broadcom, bevorzugten Support und langfristige Planungssicherheit für Kund:innen.
Für wen ist die pluscloud VMware besonders geeignet?
Für Unternehmen, die VMware weiter einsetzen möchten, aber Lizenzrisiken, Betriebskomplexität und Investitionsdruck reduzieren wollen – bei voller Datenhoheit in Deutschland.
Warum eine VMware-basierte Public Cloud gerade für On-Premises-Setups eine Brücke sein kann, lesen Sie hier.
