Wie Backup-, Storage- und DR-Lösungen aus der Cloud Unternehmen widerstandsfähig machen.
Der Anschlag auf das Stromnetz im Berliner Südwesten Anfang Januar 2026 hat gezeigt, wie schnell selbst in einer Metropole zentrale Infrastrukturen ausfallen können. Ein gezielter Brandanschlag reichte aus, um ganze Stadtteile lahmzulegen. Keine Naturkatastrophe. Kein technischer Defekt. Ein bewusst herbeigeführtes Ereignis.
Für Unternehmen ist das eine unbequeme, aber wichtige Erkenntnis: Geschäftskritische Ausfälle sind selten vorhersehbar. Und sie lassen sich nicht vollständig verhindern. Aber ihre Auswirkungen lassen sich begrenzen. Wir schauen im folgenden Beitrag auf Business Continuity und auf die Frage, wie gut Backup-, Storage- und Disaster-Recovery-Konzepte in der Cloud funktionieren.
Strom weg – Geschäft auch weg?
Was passiert, wenn plötzlich der Strom ausfällt? Nicht für Sekunden, sondern für Stunden oder länger: Server stehen still. Netzwerkkomponenten sind nicht erreichbar. Produktionsanlagen stoppen. Digitale Prozesse brechen ab. Wer seine IT ausschließlich lokal betreibt, verliert in diesem Moment seine Handlungsfähigkeit. Zwar verfügen viele Rechenzentren über Notstromaggregate. Doch das schützt nur einen Teil der Wertschöpfungskette.
Mitarbeitende im Homeoffice, Außenstandorte oder externe Dienstleister bleiben trotzdem abgeschnitten. Und selbst Notstrom ist kein Allheilmittel, wenn der Ausfall länger anhält oder gezielt eskaliert wird.
Business Continuity bedeutet deshalb mehr als USV und Dieselgenerator. Sie beginnt mit der Frage: Welche Systeme müssen auch dann verfügbar bleiben, wenn Standorte oder ganze Regionen ausfallen?
Business Continuity ist Managementaufgabe
Business Continuity wird oft mit Backup gleichgesetzt. Backups sind ohne Frage notwendig, aber sie stellen noch keinen Geschäftsbetrieb sicher. Ein belastbares Business-Continuity-Konzept beantwortet vielmehr drei zentrale Fragen:
- Welche Anwendungen sind geschäftskritisch?
- Wie lange dürfen sie maximal ausfallen (Recovery Time Objective, RTO)?
- Wie viel Datenverlust ist akzeptabel (Recovery Point Objective, RPO)?
Diese Parameter haben eine betriebswirtschaftliche Relevanz. Sie betreffen Umsatz, Vertragsstrafen, Reputation und im Zweifel auch regulatorische Pflichten. Gerade im Kontext von NIS2, DORA oder branchenspezifischen Vorgaben reicht es nicht mehr aus, „irgendwo Backups zu haben“. Unternehmen müssen nachweisen können, dass ihre IT auch unter außergewöhnlichen Umständen funktionsfähig bleibt.
Warum Cloud-basierte Backup- und DR-Konzepte robuster sind
Der Berliner Stromausfall verdeutlicht ein strukturelles Risiko klassischer On-Premises-Konzepte: die räumliche Abhängigkeit. Wenn Backup-Server, Primärsysteme und Mitarbeitende am selben Standort hängen, fällt im Ernstfall alles gleichzeitig aus.
Cloud-basierte Backup- und Disaster-Recovery-Lösungen entkoppeln diese Abhängigkeiten. Denn Unternehmen speichern ihre Daten in geografisch getrennten Rechenzentren und können Systeme notfalls in isolierten Umgebungen wiederherstellen. Im Idealfall starten produktive Workloads automatisch in einer Ausweichumgebung – unabhängig davon, was vor Ort passiert. Das Ziel ist, den Geschäftsbetrieb kontrolliert weiterzuführen, selbst wenn Teile der Infrastruktur ausfallen.
Backup als Fundament
Bei der Backuperstellung entstehen häufig Fehler, welche eine darauf basierende Disaster Recovery schnell ins Wanken bringen können. Zum Beispiel:
- Backups liegen im selben Brandabschnitt wie die Produktivsysteme.
- Wiederherstellungstests finden selten oder gar nicht statt.
- Backup-Fenster kollidieren mit dem Tagesgeschäft.
- Ransomware kann auch Backup-Systeme erreichen.
Moderne Cloud-Backups setzen deshalb auf geografisch getrennte Zweitkopien, eine Unveränderlichkeit von Daten, Versionierung sowie regelmäßige Tests. Im Ernstfall steht damit ein verlässlicher Wiederanlaufpunkt statt eines wildgewachsenen Datenbestands zur Verfügung.
Storage effizient nutzen
Oft unterschätzt, aber zentral für Business Continuity: die Storage-Architektur. Leistungsfähiger, skalierbarer Storage entscheidet darüber, wie schnell Systeme wieder verfügbar sind. Besonders relevant wird das bei großen Datenmengen, Datenbanken oder virtualisierten Umgebungen.
Cloud-basierter Object- oder Block-Storage ermöglicht:
- parallele Wiederherstellungen mehrerer Systeme,
- flexible Skalierung im Krisenfall,
- klare Kostenmodelle statt Überdimensionierung.
Gerade im Vergleich zu klassischen On-Premises-Speichersystemen entfällt die Notwendigkeit, Kapazitäten „auf Vorrat“ zu kaufen. Stattdessen wird Storage dann bereitgestellt, wenn er gebraucht wird.
Disaster Recovery: Vom Plan zur gelebten Praxis
Disaster Recovery wird oft dokumentiert, aber selten getestet. Pläne existieren, Abläufe sind beschrieben – doch im Ernstfall fehlt die Routine. Cloud-basierte DR-Konzepte lassen sich automatisieren und regelmäßig testen, ohne den Produktivbetrieb zu stören.
Virtuelle Maschinen oder Container können in definierten Intervallen in einer Ausweichumgebung gestartet werden, um Abhängigkeiten zu prüfen und Recovery-Zeiten zu messen. Unternehmen sehen so frühzeitig, ob ihre RTO- und RPO-Ziele realistisch sind oder ob nachjustiert werden muss.
Kosten, Kontrolle und Compliance
Ein häufiges Argument gegen Cloud-basierte Continuity-Konzepte sind vermeintlich höhere Kosten. In der Praxis zeigt sich oft das Gegenteil. On-Premises-DR erfordert doppelte Hardware, Lizenzen und Wartung. Dazu kommen Flächen, Strom, Kühlung und Personal.
Cloud-Modelle arbeiten nutzungsbasiert. Ressourcen werden erst dann vollständig aktiviert, wenn sie gebraucht werden.
Auch regulatorisch haben sich die Rahmenbedingungen weiterentwickelt. Cloud-Infrastrukturen in deutschen Rechenzentren, mit klarer Datenhoheit und geprüften Sicherheitsstandards, erfüllen heute Anforderungen, die viele Eigenbetriebe kaum wirtschaftlich abdecken können.
Entscheidend ist nicht der Einsatz der Cloud an sich, sondern ihre kontrollierte, nachvollziehbare Nutzung.
Uns wird es schon nicht treffen - oder?
Der Anschlag auf das Berliner Stromnetz war kein Einzelfall. Er reiht sich ein in eine wachsende Zahl gezielter Angriffe auf kritische Infrastrukturen. Für Unternehmen bleibt Business Continuity als Teil der unternehmerischen Resilienz ein heißes Thema. Backup, Storage und Disaster Recovery aus der Cloud sind zwar keine Garantie gegen Ausfälle. Aber sie können im Krisenfall darüber entscheiden, ob ein Unternehmen handlungsfähig bleibt oder nicht.
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FAQ: Business Continuity, Backup und Disaster Recovery
Was ist Business Continuity im IT-Kontext?
Business Continuity beschreibt die Fähigkeit eines Unternehmens, kritische Geschäftsprozesse auch bei schweren Störungen aufrechtzuerhalten oder schnell wieder aufzunehmen.
Was ist der Unterschied zwischen Backup und Disaster Recovery?
Backups dienen der Datensicherung. Disaster Recovery umfasst zusätzlich die Wiederherstellung ganzer Systeme und Anwendungen in einer Ausweichumgebung.
Warum ist geografische Trennung so wichtig?
Weil lokale Ereignisse wie Stromausfälle, Brände oder Sabotage sonst Primärsysteme und Backups gleichzeitig betreffen können.
Ist Cloud-basiertes DR mit deutschen Compliance-Anforderungen vereinbar?
Ja, sofern Daten in deutschen Rechenzentren verarbeitet werden und entsprechende Sicherheits- und Prüfstandards eingehalten sind.
Wie oft sollte ein DR-Szenario getestet werden?
Mindestens einmal pro Jahr, besser quartalsweise. Automatisierte Tests senken den Aufwand und erhöhen die Verlässlichkeit.